Ukraine/Transkarpatien - Die Geschichte

Im Frühjahr des Jahres 2000 traten Vertreter der katholischen Landvolkbewegung in der Erzdiözese Bamberg an den damaligen Bezirkstagspräsidenten Edgar Sitzmann heran, um ihn über ihre Verbindungen und Projekte in Transkarpatien, einer Region im Südwesten der Ukraine, in Kenntnis zu setzen. Verbunden mit dieser Vorstellung war die Bitte, im Bezirkstag von Oberfranken anzuregen, eine Partnerschaft mit dieser Region einzugehen.
Der Hintergrund für diese Kontaktaufnahme reicht weit in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Auf Geheiß des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn brach im Jahre 1731 der erste Zug von rund 50 oberfränkischen Bauern- und Handwerkerfamilien aus dem Hochstift Bamberg in das heutige Transkarpatien auf, um dort das von Kriegen verwüstete Land des Fürstbischofs aufzubauen. Heute leben die Nachkommen dieser sogenannten „Schönborn-Franken“ in Transkarpatien und pflegen die deutsche Sprache und die Traditionen ihrer Vorfahren. Die verloren gegangenen Verbindungen zu den Nachkommen der fränkischen Siedler aus dem 18. Jahrhundert sollten belebt und gefestigt werden.
Diese aus der Vergangenheit stammenden verbindenden Elemente zwischen den beiden Regionen gaben den Ausschlag für den Bezirkstag von Oberfranken, eine Partnerschaft mit dem Gebietsrat von Transkarpatien einzugehen.
Im September 2000 unternahm eine Delegation des Bezirkstages von Oberfranken eine erste Reise in die künftige Partnerregion mit dem Ziel, das Land und die verantwortlichen Personen kennen zu lernen.
Die Situation, die sich den Mitgliedern der Delegation stellte, war ernüchternd. Trotz der zahlreichen Hilfsprojekte und Organisationen, die in der Ukraine und damit auch in Transkarpatien tätig waren, war weitere Hilfe dringend geboten. Der Besuch in Krankenhäusern, in der Universität in Uzhgorod oder an einer Schule, an der die deutsche Sprache als Pflichtfach unterrichtet wird, zeigte den oberfränkischen Gästen deutlich, dass eine Armut herrscht, die groß ist und sich nicht verbergen lässt.
Inzwischen konnten die Krankenhäuser des Bezirks Oberfranken erste Hilfe leisteten. Krankenbetten, Bettwäsche, Medikamente und andere medizinische Hilfsgüter wurden mit den Transporten der Johanniter-Unfallhilfe nach Transkarpatien gebracht.
Ein Projekt, das der Bezirkstag von Oberfranken in Gemeinschaft mit dem Rotary-Club Wien unterstützt, ist der Neubau der Wäscherei im Kinderkrankenhaus, das unter der Trägerschaft des Gebietsrates von Transkarpatien steht. Lange zogen sich die Planungen hin. Mit einer großzügigen Spende stellte die evangelischlutherische Kirchengemeinde in Pegnitz 30 Kunststofffenster für diesen Bau zur Verfügung. Für neue industrielle Waschmaschinen erbrachten die Mitglieder des Bezirkstages persönlich finanzielle Mittel. Inzwischen wurde der Neubau seiner Bestimmung übergeben.
Ein weiteres Projekt, das auf lange Sicht angelegt ist, ist der Aufbau einer Oberfrankenbibliothek am Lehrstuhl für Germanistik und Romanistik an der Universität Uzhgorod. Zwar verfügt der Lehrstuhl über eine Bibliothek, doch ihr Bestand ist klein und veraltet, d.h. eine Aufstockung und Aktualisierung tut dringend Not. Nach einem Aufruf an alle Landkreise und kreisfreien Städte in Oberfranken gingen großzügige Buchspenden ein, die nun einen soliden Grundstock für die Oberfrankenbibliothek in Uzhgorod bilden.
Die Partnerschaft zwischen dem Gebietsrat von Transkarpatien und dem Bezirkstag von Oberfranken verfolgt jedoch nicht allein das Ziel, Hilfsprojekte zu initiieren. Vielmehr sollen Kontakte zwischen Fachleuten geknüpft werden, die ihr Wissen und Können austauschen. Wissenstransfer ist das Gebot dieser Kontakte, und die Gebiete, die sich dafür anbieten, sind zahlreich. Um diesen Prozess anzuregen, wurden Arbeitsgruppen aus politischen Vertretern und Fachleuten zu den Bereichen Medizin und Psychiatrie, Jugend und Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft und Fischerei gebildet. Auf diese Weise wurde eine Basis geschaffen, auf der sich Projekte und Austauschprogramme aufbauen lassen.
Im September 2001 war es dann soweit, dass die Partnerschaftsurkunde zwischen dem Gebietsrat von Transkarpatien und dem Bezirkstag von Oberfranken in Uzhgorod unterzeichnet wurde. Die Gegenzeichnung wurde einen Monat später im Bezirksklinikum Obermain, Kutzenberg, vorgenommen. Zu diesem Festakt konnten zahlreiche hochrangige politische Vertreter begrüßt werden, wie der Botschafter der Ukraine in Berlin, Dr. Anatolij Ponomarenko, der damalige Generalkonsul der Ukraine in München, Georgii Koschyk, der Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Dr. Joachim Wuermeling, der Regierungspräsident von Oberfranken, Hans Angerer, und zahlreiche oberfränkische Landräte und Oberbürgermeister. Angesichts dieser Gästeliste ließ sich die Bedeutung, die dieser außergewöhnlichen Partnerschaft beigemessen wird, ablesen. Einheitlich wurde in den Grußworten die Besonderheit und die Notwendigkeit dieser Verbindung hervorgehoben. „Die Region und Ihre Menschen kennenlernen und ihre Situation verstehen lernen, das muss unser Ziel sein.
Der feierlichen Unterzeichnung war ein Symposium auf Kloster Banz vorangegangen, in dessen Mittelpunkt die Partnerschaften des Bezirks Oberfranken standen. Inzwischen ist ein umfangreiches „Netzwerk Transkarpatien“ gebildet, in welchem Organisationen, Behörden und Einzelpersonen vertreten sind, die sich in der Ukraine engagieren. Mit Hilfe dieses Netzwerkes soll die Koordination der Aktivitäten der verschiedenen Organisationen in Transkarpatien und ein Austausch wichtiger Informationen gewährleistet werden.
Ein weiterer Schritt war die Gründung eines Vereins „Partnerschaft Transkarpatien -Oberfranken“, der unter dem Vorsitz des jeweiligen Bezirkstagspräsidenten steht. Die Gründungsversammlung fand am 27.11.2003 statt. Der Verein ist inzwischen in das Vereinsregister eingetragen. Seine Gemeinnützigkeit ist anerkannt.